Geschichte Thüringens

Die Geschichte des Landes Thüringens beginnt im dritten Jahrhundert nach Christus, als sich aus den Stämmen der Hermunduren, Turonen, Warnen und Angeln das Volk der Thüringer bildete. Daraus wurde später auch ein Königreich. Allerdings nicht sehr lange, im Jahr 531 wurde Thüringen von den Franken erobert und dem Frankenreich eingegliedert.

Erst fünfhundert Jahre später, im 11. Jahrhundert, entstand wieder ein großes und bedeutendes eigenständiges Gebiet, die Landgrafschaft Thüringen. Ein einheitlicher Staat war Thüringen jedoch nicht. Das wurde es erst im 20. Jahrhundert.

Die Anfänge
Vor etwa 2.000 Jahren siedelten Germanen und Kelten im Gebiet des heutigen Thüringen. Aus den Stämmen der Hermunduren, Turonen, Wanden und Angeln bildete sich im dritten Jahrhundert der Stamm der Thüringer, „Thoringi“. Die Thoringi sind eine Mischung aus Germanen und Kelten. Woher der Name kommt, ist nicht ganz eindeutig. Wahrscheinlich geht er auf den Keltenstamm der Turonen zurück.
Im 5. Jahrhundert bildeten die Thüringer ein mächtiges Königreich. Es reichte von der Altmark und Elbe bis zur Werra und Donau. Doch ein Jahrhundert später wurden sie von den Franken aus den westlichen Gebieten vertrieben. Das Land fiel unter die Herrschaft der Merowinger-Könige und gehört damit zum Frankenreich. Die Merowinger sind das älteste bekannte fränkische Königsgeschlecht.
Zu dieser Zeit beteten die Menschen noch ihre alten heidnischen Göttern an. Doch bald schon verbreitet sich das  Christentum. Besonders ein Mann mit Namen Bonifatius brachte im 8. Jahrhundert den christlichen Glauben ins Thüringer Gebiet.

Thüringen im Mittelalter
Um 620 gründeten die Merowinger das Herzogtum Thüringen. Bereits nach wenigen Jahrzehnten zerfiel es. Erst im 11. und 12. Jahrhundert erhielt das Thüringer Land wieder eine Bedeutung.

Ludwig, ein fränkischer Adliger aus dem Maingebiet mit dem Beinamen der Bärtige siedelte sich um 1040 bei Friedrichroda an. Er und seine Nachfahren – sie werden später Ludowinger genannt, weil sie ihre erstgeborenen Söhne meist Ludwig nannten – gewannen immer mehr an Ländereien, Einfluss und Macht.

Der Enkel Ludwigs des Bärtigen wurde im Jahr 1131 vom deutschen Kaiser zum Landgrafen von Thüringen ernannt. Zum Herrschaftsbereich der Thüringer Landgrafen gehörten neben dem heutigen Thüringen auch weite Teile Hessens. Daher kommt auch die Ähnlichkeit unserer beiden Landeswappen.

Der bekannteste Ludowinger ist wohl Ludwig der Springer, weil es über ihn die Sagen von seiner Flucht aus der Moritzburg in Halle und von der Erbauung der Wartburg bei Eisenach gibt. Wichtiger für die Entwicklung unserer Heimat ist aber Landgraf Hermann der Erste. Er regierte von 1190 bis 1217 und förderte die höfische Dichtkunst und damit die deutsche Literatur. Die aus unserer heutigen Sicht bedeutendste Person dieser Zeit ist eine Frau, Landgräfin Elisabeth, auch die heilige Elisabeth, die Gemahlin von Hermanns Sohn und Nachfolger Ludwig dem Vierten. Ludwig der Vierte verstarb auf dem Weg zu einem Kreuzzug an einer Seuche. Sein Bruder Heinrich mit dem Beinamen Raspe wurde daraufhin Landgraf. Er hatte keine Kinder. So zerfiel das Land nach seinem Tod wieder. Er starb 1247.

Die östlichen Landesteile erhielt sein Neffe, der zur Familie der  Wettiner gehörte, die damals im Gebiet zwischen Leipzig, Cottbus und Freiberg regierten. Als die Wettiner später auch über die Gebiete um Dessau und Wittenberg herrschten, nannten sie sich „Kurfüsten von Sachsen“.
Dieses Sachsen wurde im Jahr 1485 zwischen den Brüdern Ernst und Albrecht aufgeteilt. Albrecht und seine Nachfahren hielten ihr Land zusammen. Daraus entstand das Königreich Sachsen, das bis 1918 existierte.
Herzog Ernsts Anteil lag auf thüringischem Gebiet. Dort gab es aber auch noch andere kleinere Staaten.

Thüringen in der Neuzeit
Die politische Landkarte Europas, vor allem aber die Deutschlands, änderte sich über Jahrhunderte hinweg ständig. Als im Jahr 1648 der Dreißigjährige Krieg zu Ende gegangen war, befanden sich auf der Fläche des heutigen Thüringen

  • das Herzogtum Sachsen, also das Gebiet der Nachkommen Herzog Ernsts (Ernestiner); diese Gebiete wurden mehrmals geteilt, wieder zusammengelegt und neu geteilt
  • Teile des Kurfürstentums Sachsen, also Gebiete der Nachfahren Herzog Albrechts (Albertiner)
  • die Grafschaften Henneberg, Mansfeld und Reuß
  • Gebiete des Erzbistums Mainz (es gab damals auch kirchliche Länder); es umfasste das Eichsfeld und die Stadt Erfurt. Daher stammt das „Mainzer Rad“ im Erfurter Stadtwappen.
  • die beiden Freien Reichsstädte Mühlhausen und Nordhausen

1803 wurden in ganz Deutschland die meisten Freien Reichsstädte und die kirchlichen Staaten (die Bistümer) aufgelöst und ihre Gebiete an verschiedene andere Fürsten verteilt. Die Gebiete Thüringens, die zum Erzbistum Mainz gehörten, also auch Erfurt, kamen zu Preußen. Ursache hierfür waren die Eroberungen und die Politik des französischen Kaisers Napoleon.

Nach dem Ersten Weltkrieg gab es im Jahr 1918 in Deutschland eine Revolution, die Anfang November begann und deshalb Novemberrevolution genannt wurde. Die politische Herrschaft des Kaisers und der Fürsten wurde abgeschafft und die Republik ausgerufen. Zu diesem Zeitpunkt gab es in Thüringen acht verschiedene Kleinstaaten:

  • Sachsen-Weimar-Eisenach
  • Sachsen-Coburg-Gotha
  • Sachsen-Meiningen
  • Sachsen-Altenburg
  • Schwarzburg-Rudolstadt
  • Schwarzburg-Sondershausen
  • Reuß Ältere Linie (Reuß-Greiz)
  • Reuß Jüngere Linie (Reuß-Schleiz-Gera)

Nach der Novemberrevolution entstand in Deutschland die erste demokratische Republik. Die Verfassung hierfür wurde in Weimar erarbeitet. Deshalb nennt man sie „Weimarer Republik“. Sie existierte von 1919 bis 1933. Aus den vielen Fürsten- und Herzogtümern in Thüringen wurde erstmals das Land „Freistaat Thüringen“ gebildet. Die preußischen Gebiete und auch das Gebiet um Coburg waren nicht dabei. Die Coburger Bevölkerung hatte sich entschieden, fortan zu Bayern zu gehören.
Thüringens Hauptstadt wurde Weimar.

In der Zeit des Nationalsozialismus (1933-1945) war Deutschland nicht mehr in Länder, sondern in sogenannte Gaue eingeteilt. Der Gau Thüringen hatte damals etwa die Größe des heuten Freistaats. Eine eigenständige Thüringer Entwicklung gab es nicht, denn in der Nazi-Diktatur sollte alles gleich sein.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Ende der Naziherrschaft wurde Deutschland von den vier Siegermächten (England, Frankreich, USA, Sowjetrussland) besetzt. Thüringen gehörte zum sowjetisch besetzten Teil Deutschlands im Osten. Während in Westdeutschland eine demokratische Republik gebildet wurde, entstand in Ostdeutschland wieder eine Diktatur, die  DDR. Thüringen wurde in drei Bezirke aufgeteilt: Bezirk Erfurt, Bezirk Gera, Bezirk Suhl.

Mit der friedlichen Revolution 1989 und der ersten frei gewählten Regierung im Osten Deutschlands, wurden auch die Länder wieder gebildet. Auch der Freistaat Thüringen wurde wieder gegründet. So bereitete sich Ostdeutschland auf die Wiedervereinigung 1990 vor.
Viele nennen die Ländern im Osten „neue Länder.

Deutsches Nationaltheater Weimar
Deutsches Nationaltheater Weimar